Georgien: Schatzkiste im Kaukasus

„Als Gott die Länder verteilte und alle Völker dafür zusammen kamen, feierten die Georgier gerade mal wieder ein Fest. Sie tranken und sangen und vergaßen ihre Verabredung mit Gott. Doch der war von ihrer Fröhlichkeit und Lebensfreude so gerührt, dass er ihnen das Gebiet schenkte, das er eigentlich für sich reserviert hatte. Und so kam das georgische Volk zu seinem Land, das es Sakartvelo nannte.“

Mit diesem Mythos erzählen die Georgier gerne die Gründungsgeschichte ihres Landes. Und sie sind stolz auf ihr Land voller Naturschönheiten, ihren guten Wein und ihr gutes Essen – wie ich finde zurecht!

Reizvolle Kontraste

Wir haben Georgien als Land voller Gegensätze erlebt. Alt und neu, traditionell und modern, hässlich und schön, arm und reich zugleich. In vielen Orten und Städten ist der Aufbruch zu spüren und zu sehen. Häuser werden liebevoll restauriert, Kneipen und Restaurants entstehen und die Hauptstadt Tibilissi hat sich in den letzten Jahren still und heimlich zur östlichen Hauptstadt der Technoszene gemausert. Vor allem die jungen Bewohner sehen ihr Land und ihre Zukunft in Europa, viele ältere dagegen eher näher an Russland. Gemeinsam ist den knapp 4 Millionen Einwohnern die Sorge vor dem großen Nachbarn im Norden, der nach wie vor als Besatzer gesehen und erlebt wird.

Eindrücke aus Tibilissi

Im europäischen Vergleich ist Georgien ein armes Land, das bis jetzt mit den Folgen der Sowjetherrschaft und dessen Zerfall kämpft. Die reiche Kultur aber und seine Naturschönheiten haben uns komplett verzaubert. Unsere 11-tägige Reise hat uns nach Tibilissi, Signagi, Kutaisi, Mestia & Ushguli sowie nach Kazbegi geführt. Ein paar Eindrücke, die Georgien so besonders machen…

Tierische Erlebnisse

Kühe, Pferde, Schweine und Hunde spazieren im ländlichen Raum ohne Zäune nahezu an jedem Ort durch die Gegend. Besonders Kühe legen sich gerne mitten auf die Straße und bewegen sich auch nicht durch hupende Autos aus dem Weg. Vorsichtig fahren ist also angesagt, denn hinter jeder Kurve könnte eine Kuh oder ein anderes der genannten Tiere auf der Fahrbahn stehen oder liegen – oder ein verrückter Georgier im Auto auf der Überholspur entgegenrasen. Die sonst so gemütlichen und durch nichts aus der Ruhe zu bringenden Bewohner verwandeln sich hinterm Lenkrad und mit dem Fuß auf dem Gaspedal zum Tier. Überholen kein Problem, an jedem Ort zu jeder Zeit.

Auf den Hund gekommen

In Tibilissi gehören frei laufende oder schlafende Hunde mitten auf dem Weg zum Straßenbild. Jede Rasse, jede Größe. Im Gegensatz zu vielen anderen armen Ländern geht man in Georgien meist sehr liebevoll mit den Tieren um. Straßenhunde werden sterilisiert, bekommen einen Erkennungsknopf ins Ohr und es gibt öffentliche Futterstellen mit Nahrung und Wasser. Fast alle sind deshalb gut genährt, äußerst friedlich und wenn ein Hund ein Schläfchen mitten im Weg macht, laufen die Bewohner einfach Drumherum.

Unser Highlight: der Große Kaukasus

Unsere Lieblingsgegend ist die Hochgebirgsregion Swanetien rings um Mestia mit seinen eindrucksvollen Wehr- und Wohntürmen vor den imposanten Gletschern des Großen Kaukasus. Die gesamte Region Oberswanetien zählt zum UNESCO Weltkulturerbe und es gibt viele tolle Wanderwege – von einfachen Kurzwanderungen bis hin zu mehrtätigen Trekkingtouren ist alles möglich. Nachdem wir im Regen gegen Nachmittag angekommen sind, hat es kurze Zeit später nach und nach aufgeklart und der Abend wurde noch richtig angenehm warm und sonnig.

Abendspaziergang in Mestia

Am nächsten Tag ging es mit dem Taxi nach Ushguli, weil unser Mietwagen-Anbieter die Strecke untersagt hatte. Auf den ersten Kilometern fühlten wir uns noch etwas veralbert, später wussten wir dann aber weshalb: Die letzten Kilometer ging es über Stock und Stein und teils durch tiefen Schlamm – die Tage zuvor hatte es wohl sehr viel geregnet. Heute aber war der Himmel strahlend blau und wir wurden auf der Wanderung mit tollen Eindrücken und vielen schönen Aufnahmen belohnt.

Wanderung von Ushguli zum Schchara-Gletscher

Mit etwas müden Beinen ging es am nächsten Morgen mit dem Auto nach Tsivrmi und von dort auf eine gemütliche Tour mit Picknick und vielen Pausen. Am frühen Nachmittag sollte Regen kommen, bis dahin wollten wir zurück sein und uns auf den Weg nach Kutaisi machen.

Wanderung von Tsvirmi nach Ieli

Auch schön: Klöster und tolle Ausblicke

Georgien ist definitiv auch das Land der Klöster. Wo immer wir gereist sind, war das nächste Kloster nicht weit. Entweder zentral im Ortszentrum gelegen oder hoch oben auf Bergkuppen mit traumhaften Ausblicken in die herrliche Landschaft. Wir konnten am Ende der Reise gar nicht entscheiden, welches uns am besten gefallen hat. Postkartenmotiv Nummer eins ist jedenfalls die Gergeta Sameba in Kazbegi, aber auch die Klöster von Mzcheta, in Kutaisi und anderen Orten waren bezaubernd.

Klein und fein: Signagi und Mzcheta

Beide Orte hatten wir vor der Reise zwar auf dem Schirm, wollten aber nur einen kurzen Stop einlegen. Geblieben sind wir in beiden Orten dann über Nacht, weil wir die ruhigen Abendstunden genießen wollten – mit kaum Besuchern und dementsprechend schöner Atmosphäre.

Kazbegi – regnet´s oder regnet´s nicht?

Der Grund weshalb unser Reiseplan von Beginn an etwas durcheinander geriet, war der Besuch in Kazbegi – eines der Top Highlights Georgiens. Schon bevor wir in Tibilissi landeten, wussten wir, dass der Trip hoch in die Berge bis an die russische Grenze verschoben werden muss. Der Grund: tagelang Regen! Und was macht man in den Bergen, wenn es regnet? Also legten wir die Etappe ans Ende der Reise, in der Hoffnung, dass es dann besser wurde. Und was soll ich sagen. Wir sind im Sonnenschein angekommen, dann hat es geregnet und am späten Nachmittag wurde es wieder schön. Die geplante Wanderung hinauf zur Gergeti-Sameba Kirche konnten wir zwar nicht machen, dafür sind wir die steile Straße mit dem Wagen gefahren und haben die Ausblicke rings um die Gergeti-Sameba Kirche einfach so genossen.

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